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Magazin Juni 2004

taz nrw vor Ort in Bielefeld: Was sprichst du? Deutschpflicht - Beitrag zur Integration oder Diskriminierung?
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Das Integrationsthema wird gegenwärtig wieder heiß diskutiert - meistens als Problem - selten als Chance. Nun findet eine Veranstaltung am 27.04.2006 im IBZ statt, die als spannende Kontroverse angekündigt ist: "Deutschpflicht für Deutschland: Auf Schulhöfen, im Fitness-Studio, auf der Straße soll ausschließlich Deutsch gesprochen werden! Was steckt hinter dieser Forderung?

/Themenbereiche/Grafiken_service-learning/s-learning_HS-115_150px.jpg Geht es wirklich nur um die Verbesserung von Deutschkenntnissen? Einerseits müssen Kinder und Jugendliche die Landessprache beherrschen, wenn sie eine Zukunftsperspektive haben wollen.
 Andererseits werden im Job interkulturelle Fähigkeiten wie Mehrsprachigkeit gefordert. Und: Wer stört sich überhaupt daran, wenn sich Landsleute untereinander in ihrer Muttersprache unterhalten?", fragt die taz.
/Grafiken/Grafiken_17/SPrechen_3a_100px.jpg Konkrete Aufhänger gibts genug. Allzu präsent sind die Initiativen an Schulen, Deutsch auch für den Pausenhof durchzusetzen. Da ist Medienresonanz gewiss. Es gab weiterhin Ende Februar 2006 deutlichen Protest des Bielefelder Migrationsrates anlässlich des Verbot eines Fitnessstudiobetreibers gegenüber der 28jährigen Dilan Nakipoglu-Foth und dem 22jährigen Volkan Aksun sich auf der Trainingsfäche in Türkisch zu unterhalten.
Sie leben seit acht bzw. zehn Jahren in Bielefeld, er hat einen deutschen Pass, sie hat mit ihrem deutschen Ehemann eine sechsjährige Tochter. Beide sprechend fließend deutsch, möchten aber ihre Muttersprache nicht verlernen. Der Migrationsrat befürwortet eine Verbesserung der Sprachkompetenz und vermehrten Deutschkursen als Schlüssel zur Integration, aber das dürfe nicht zur Abwertung von Minderheitssprachen führen, so Emir Ali Sag, Geschäftsführer des Migrationsrates. Die LeserInnenbriefe in der Neuen Westfälischen bewerteten die Reaktion der Betroffenen und des Migrationsrates durchgängig als übertrieben und als "Anstellerei". Vom Ausbau der Mehrsprachigkeit, von mehr interkultureller Kompetenz auch bei der Mehrheitsgesellschaft, von kultureller Vielfalt als Reichtum war kaum die Rede. Das Augenmerk liegt vor allem auf den Defiziten von Zugewanderten. Kann Integration unter solchen Vorzeichen gelingen?
Diese und andere Standpunkte können am 27. April mit den PodiumsteilnehmerInnen debattiert werden. Vorstellung der ReferentInnen gemäß der Ankündigung der taz:

  • Britta Hasselmann, MdB Bündnis 90/Die Grünen aus Bielefeld. Ihre Partei spricht sich gegen eine Verordnung der Deutschpflicht außerhalb des Klassenzimmers aus.
  • Ümit Yavuz, Abiturient aus Spenge, hat für die Einführung eines Deutschgebots an seiner Schule gestimmt und es nicht bereut.
  • Tayfun Keltek, Lehrer und Migrationspolitiker aus Köln, meint, Kinder zum Deutschsprechen zu zwingen, verletze sie.
  • Eleonore Chowdry, Vorstandsmitglied der LandesschülerInnenvertretung, aus Bielefeld, die Tochter eines gebürtigen Irakers hat Deutsch zu ihrer Muttersprache erklärt.
  • Dr. Gerd Schrammen, Philologe im Ruhestand aus Göttingen, als zweiter Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache möchte er an den Wert und die Schönheit der deutschen Muttersprache erinnern.
    Termin: Donnerstag, 27. 4.2006, 19.00 Uhr, Ort: IBZ Friedenshaus, Teutoburger Straße 106, 33607 Bielefeld. (Quelle: taz)

Good practice und Vernetzung: "Sprachenvielfalt - Chancengleichheit" titelt der Flyer des Modellprogramms "FÖRMIG" der Bund-Länder-Kommission für BIldungsplanung und Forschungsförderung. FörMig steht für "Förderung von KIndern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" und wird je zur Hälfte vom BMBF und den zehn teilnehmenden Ländern finanziert. /Themenbereiche/Grafiken FÖRMIG/foermiglogo_250px.jpg
Programmträger ist die Universität Hamburg, Institut für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft. Im FÖRMIG-Fokus stehen fünf Bereiche: Sprachdiagnostik | Kooperative Sprachförderung | Sprachfördernetzwerke | Sprachförderung an Übergängen im Bildungssystem | Sprachförderung in jedem Unterricht | Mehrsprachigkeit als Ressource. Der Großteil der Projekte befindet sich im bevölkerungstarken Land NRW (siehe www.foermig-nrw.de). Die beteiligten Projekte entwickeln und erproben Ansätze, die auf ihre regionale Lage abgestimmt sind. Im Raum OWL geht es bei dem im Kreis Herford und der Stadt Bielefeld angesiedelten FÖRMIG-Projekt z.B. schwerpunktmäßig um den Übergang Schule Beruf (Mehr Info zum regionalen Projekt)

Eine Frage der Umsetzung: "Erfolgreiche Integration durch bessere Bildung. Interkulturelle Bildung für alle" Bildungspolitisches Papier der Arbeitsgruppe „Bildung“ des Migrationsrates der Stadt Bielefeld, beschlossen im Mai 2005 - aber auch umgesetzt?  (Klick)

Was meinen die anderen... - Infos und Material:

Pressespiegel bei learn.line zu den Themen Bevölkerung/Demografie

Die Gewerkschaft ver.di u.a. sprechen vom "Mythos Demografie", mit dem Ängste geschürt und Sozialabbau legitimiert werden.

"Deutschland im Demografie-Schock. Steht es wirklich so schlimm um uns?"  Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, Vater eines Sohnes und momentan Funk-und Fernseh-Fachmann in Sachen Familie, hat wieder ein Buch geschrieben: „Minimum“. Darin malt er ein Schreckensszenario kinderarmer Zeiten aus. Und das wiederholt er Tag für Tag in der Bildzeitung. Ein Gespräch von hr-online mit der Autorin und Familienexpertin Ursula Ott über Schirrmachers Panikmache über eine schrumpfende Gesellschaft (Klick)

"Schule und was dann?"  Gute Frage!  Es kann nicht nur um Schule und Schulerfolg gehen. Auf der Agenda müssen auch Möglichkeiten eigenständiger Existenzsicherung, effektive Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für berufliche Wege und brauchbare Angebote für berufliche Perspektiven von MigrantInnen stehen, wenn Integration im Einwanderungsland Deutschland gelingen soll. Hier ein Lektüretipp: "Potenziale-Profile-Perspektiven" lautete der Titel der Fachtagung des Thematischen Netzwerks "Berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten", die am 3. Dezember 2004 im Congress-Centrum in Hannover durchgeführt wurde. Redebeiträge und Diskussionen der Tagung wurde in einer auch online verfügbaren Publikation dokumentiert. Sie bilanziert zugleich die Ergebnisse der fast dreijährigen Arbeit im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL (Klick).

    

Aktuelles

Böhmer legt 7. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor
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