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Magazin Juni 2004

24.03.2006
Auftakt des Projekts "Erstausbildung in Zuwandererunternehmen" 
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Das Projekt nutzt in mehrfacher Weise und hat Pioniercharakter. Es verbindet die Interessen von Jugendlichen nach einer qualifizierten Ausbildung mit den Chancen das Ausbildungspotenzial in Zuwandererunternehmen auszuschöpfen.

Nicht nur in den Branchen Gastronomie, Handwerk und Handel könnten viele zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden.  Der Anteil der Selbstständigen ist stetig gestiegen. Nach einer aktuellen BMBF-Studie ist von weiteren 10.000 Ausbildungsplätzen in den MigrantInnenbetrieben auszugehen. Und dieses Ausbildungspotenzial ist dringend erforderlich. Allein in der Stadt Bielefeld sind 1300 Jugendliche Empfänger von Arbeitslosengeld II und mit 45 % überproportional viele MigrantInnen. Sie sollen nun gezielt gefördert und in Betriebspraktika und Ausbildung vermittelt werden.

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Die Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, der Handwerkskammer in Bielefeld und Zuwandererunternehmensorgansationen sollen zum Gelingen beitragen, so Sevim Yilmaz, Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Projektleiterin des Vorhabens, das bei der MOZAIK gGmbH angesiedelt ist. 

(Foto oben: Projektleiterin Sevim Yilmaz und Aslan Kizilhan, Geschäftsführer von FIP GmbH).

Unterstützung für Personal- und Sachkosten in Höhe von 100.000 Euro zunächst befristet bis zum Jahresende leisten das Land NRW und die ARGE Bielefeld. Durch den Einsatz von zweisprachigen AusbildungsbegleiterInnen soll der Zugang zu den von MigrantInnen geführten Betrieben im Raum Bielefeld und Gütersloh verbessert werden. Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der MigrantInnenbetriebe wird häufig unterschätzt. OWL ist bereits heute die deutschlandweit drittjüngste Region und sie ist auf Grund der hohen Zuwanderungszahlen. Diese nachwachsende Generation muss hat einen Anspruch auf gute Schulbildung und auf berufliche Qualifizierung. Doch in dieser Hinsicht besteht ein Realisierungsdefizit.

Insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund werden in den Schulen noch zu wenig in ihren Talenten gefördert und sie haben eklatant geringere Chancen einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Häufiger verbauen Sprachbarrieren den Weg. Allerdings auch einseitige Sichtweisen und festgefahrene Vorurteile oder Berührungsänste. Der Vorteil der Mehrsprachigkeit und die Notwendigkeit gezieltere Angebote zu machen, wird oft nicht gesehen. Selbst MigrantInnenjugendliche mit gutem Schulabschluss erhalten seltener einen Ausbildungsplatz als Jugendliche der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Zugleich bilden MigrantInnenbetriebe noch zu wenig aus. Die Gründe liegen zumeist in fehlenden Informationen über das duale Ausbildungssystem, erläutert Sevim Yilmaz. Viele Unternehmen wüssten nicht, dass ein Meisterbrief keine zwingende Voraussetzung ist, um ausbilden zu können. Der öffentliche Auftakt hatte den passenden Rahmen. In den Räumen der FIP GmbH - Finanzen, Immobilien, Projektplanung, einem vom Migranten gegründeten Unternehmen mit einem erfahrenen interkulturellen Team aus Architekten, Immobilien- und Finanzberatern fand eine Gesprächsrunde mit dem WDR Landesstudio, Radio Bielefeld und den Lokalzeitungen statt.

Zusammen mit den VertreterInnen der Kammern, Arbeitplus Bielefeld GmbH, der Agentur für Arbeit in Bielefeld, der Regionalagentur-OWL und des Interkulturellen Netzwerks OWL von AkademikerInnen und UnternehmerInnen e.V. (IKN OWL) wurden die Zielsetzungen vorgestellt.

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Foto (v.l.): Aslan Kizilhan, FIP-Geschäftsführer, Swen Binner von der IHK, Projektleiterin Sevim Yilmaz, Elmar Barella von der HWK, Claudia Hilse von der Regionalagentur-OWL, Bernd Wulfhorst, Arbeitsagentur Bielefeld, Ibrahim Kus von FIP und Klaus Siegeroth von Arbeitplus Bielefeld GmbH.

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Foto: Swen Binner, IHK, schildert der Presse die Situation von Betrieben und Jugendlichen. In OWL suchen 8000 Jugendliche derzeit noch eine Lehrstelle, die Unternehem stellen jedoch nur 3000 Plätze zur Verfügung.

Das Projekt bietet mehrsprachige Erstinformationen über das duale Ausbildungssystem und unterstützt bei der Anerkennung als Ausbildungsbetrieb sowie bei der Akquise und Auswahl von Jugendlichen. Auch die aufwendige bürokratische Abwicklung der Erstausbildung soll durch die Kooperation von Zuwandererunternehmen mit den Wirtschaftskammern vereinfacht werden. Oftmals kommen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Das Fullservice-Unternehmen FIP sucht selber schon seit Wochen eine/n geeignete/n Auszubildende/n. Geschäftsführer Aslan Kizilhan, ebenfalls Mitglied im IKN, setzt auf Mehrsprachigkeit und bietet eine kaufmännische Lehre an.

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Es wäre ideal, wenn das Projekt eine Brückenfunktion übernehmen kann. Der Einstieg ins Unternehmen FIP ist für Azubis sicher attraktiv und zukunftsträchtig, wenn man sich die Referenzliste des Unternehmens und das Leistungsspektrum anschaut. 

/Themenbereiche/Grafiken Projekt Ausbildung in Zuwandererunternehmen/PK_AusbilMH-019_150px.jpg Das geht von An- und Verkauf von Immobilien und Baugrundstücken, über Neubauplanung und –ausführung, Sanierung und Umbau, unabhängige Baufinanzierung, Anlageberatung zur Sicherung der Altersvorsorge bis zu Versicherungen für Immobilien.
Das Unternehmensteam ist nicht nur interkulturell zusammengesetzt, sondern bringt zudem für den demografischen Strukturwandel, veränderte Wohn- und Lebensentwürfe das passende Knowhow mit. Eines der kürzlich von FIP realisierten Bauprojekte ist z.B. das berühmte "Lichtwerk im Park", bei dem eine Umnutzung der denkmalgeschützten ehemaligen Tischlerei im Ravensberger Park - Bielefeld gelungen ist. Wenn in diesem und anderen Fällen Jugendliche und Unternehmen durch das Projekt besser zusammen kommen, hat sich der neue Kooperationsansatz als bewährt erwiesen.

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Sevim Yilmaz, 1971 in Bad Oeynhausen geboren, besuchte die Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung/ Friedrich-List-Schule in Herord. Mit Türkisch, Deutsch, Englisch und Fränzösisch besitzt sie den Vorteil der Mehrsprachigkeit. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer Dissertation kann auf viel eigene Praxiserfahrung und vorherige gelungene Projekte im Ruhrgebiet verweisen. Sie war dort u.a. jahrelange Kammermitarbeiterin.

 

In einem Essener Projekt "Ausbildung meistern" in Zusammenarbeit mit allen lokalen Partnern (Wirtschaftskammern, Wirtschaftsverbände, soziale Einrichtungen, Jugendhilfeeinrichtungen) konnten durch ihr Engagement in der Projektzeit von 1999 bis 2001 nicht nur ca. 110 Ausbildungsplätze geschaffen, sondern auch mit interessierten Jugendlichen besetzt werden.  Mehr in Sevim Yilmaz' Textbeitrag in der Ausgabe Dez. 2005 von  "verbund.aktuell"  zum Thema  "Migrantenökonomie"  in NRW)

  • Siehe auch das Projekt "Fachkräftequalifizierung von Akademikern Türkischer Herkunft in NRW - Integration als Mittel zur Außenwirtschaftsförderung - kurz FATIMA", unter Projektleitung von Sevim Yilmaz und Hans Georg Crone-Erdmann (Projektträger:  IBP IHK Beratungs- und Projektgesellschaft mbH, unter Schirmherrschaft des ehemaligen Ministers Harald Schartau)
  • Mehr zum Thema in der Wissenschaftlichen Projektauswertung des Projekts "'Ausländische' Betriebe bilden aus", unter Leitung von Dr. Hisham Hammad, durchgeführt im Rahmen von AktionCourage und gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (40 Seiten, PDF, 324 KB)

 Infos über das Projekt "MigraNet", das bei Maßarbeit e.V. in Herford im Jahr 2006 umgesetzt wird und die Akquise und Realisierung von Ausbildungsplätzen in Unternehmen von Zugewanderten zum Ziel hat.

 

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